Kündigungswelle rollt an: Diese Berufe sind am stärksten betroffen

Kündigungswelle rollt an: Diese Berufe sind am stärksten betroffen

Ein Payscale-Report zeigt auf, in welchen Berufen die Fluktuation aktuell am höchsten ist und Beschäftigte ihre Stelle am ehesten kündigen.

Schon jetzt ist vorauszusehen, dass sich die Lage in den kommenden Jahren drastisch verschärfen wird: Auf der einen Seite werden Mitarbeiter entlassen. Auf der anderen Seite drohen Fluktuationswellen, weil Arbeitnehmer freiwillig das Handtuch werfen. Letzteres beunruhigt vor allem Arbeitgeber, die sich im Kampf um neue Fachkräfte aktuell mit großer Konkurrenz messen müssen. Ein Beispiel ist die Technologiebranche. Dafür lohnt sich ein Blick auf die Payscale-Studie.

Diese Branchen sorgen für viele unzufriedene Arbeitnehmer

Der Report betont, dass Jobs in den genannten Branchen häufig zu denen gehören, die dazu führen, dass Arbeitnehmer sich unzufrieden oder ausgebrannt fühlen. Erwähnt wird in diesem Zusammenhang zum Beispiel der Trend des Quiet Quittings, demzufolge Beschäftigte lediglich „Dienst nach Vorschrift“ ausrichten, sich ansonsten jedoch zurückziehen, um zum Beispiel pünktlich Feierabend zu machen und auch nicht mehr erreichbar sind.

Auf dem ersten Platz der Jobs, die im Jahr 2023 am ehesten gekündigt werden, steht der Senior Kundenberater (Senior customer service representative). Wer in dieser Position arbeite, könne zwar ein sehenswertes Gehaltswachstum erreichen, aber auch der Stress wachse mit – und damit die Unzufriedenheit. Da erscheint es nur logisch, über einen Jobwechsel oder gar über einen Branchenwechsel nachzudenken.

Ähnliches gilt für den Bereich Technologie. Die Verdienstaussichten sind im Vergleich mit anderen Jobs derzeit überdurchschnittlich gut. Doch der Fachkräftemangel im IT-Bereich führt regelmäßig zu einem hohen Arbeitspensum mit deutlicher Überlastung. Weil gut ausgebildete Fachkräfte jetzt mehr verlangen können, können sie sich nach neuen Arbeitgebern mit attraktiveren Arbeitsbedingungen umschauen und ihren jetzigen Job aufgeben. Verlockend wäre zum Beispiel ein höheres Gehalt oder deutlich weniger Arbeitsstunden für Fachkräfte, die dringend einen Ausgleich brauchen.

Auffällig ist auch die Entwicklung im Bereich HR: Hier wird sichtbar, dass die Bereitschaft, den aktuellen Job aufzugeben, stetig wächst. Fachkräfte im Personalwesen haben es mit einer hohen Stressbelastung zu tun. Studienergebnisse zeigen, dass über 80 Prozent der Personalverantwortlichen sowie HR-Führungskräfte Burnout-gefährdet sind.

Laut Payscale-Report werden Arbeitnehmer diese Jobs am häufigsten aufgeben:

 

  1. Senior Kundenberater
  2. Softwareentwicklungsmanager
  3. Kreativdirektor/kreativer Leiter
  4. Produktionsmanager im verarbeitenden Gewerbe
  5. PR-Spezialist
  6. Medizinische Kodierfachkraft
  7. Personalsachbearbeiter
  8. Customer Success Manager
  9. Ingenieur für Regelungstechnik
  10. HR-Spezialist
  11. Vorstandsassistent

 

Gut zu wissen: Die Autoren weisen darauf hin, dass die Umorientierung von Beschäftigten vor allem mit der Post-Corona-Entwicklung zu tun haben könnte. Sie beziehen sich auf die Gesamtentwicklung bis zum Herbst 2022. Betrachtet man das Jahr 2020, hat es aufgrund der Pandemie einige Entlassungen von Beschäftigten gegeben.

In den Jahren darauf haben die Jobangebote anschließend wieder zugenommen und der Markt florierte, was ebenfalls ein Grund dafür sein soll, dass mehr Menschen bereit waren oder sein werden, zu kündigen, um einen neuen Arbeitgeber zu suchen. Dennoch ist auf der anderen Seite spürbar, dass Rezessionsängste zunehmen und Jobsicherheit wichtiger wird.

Trendzug „Job Crafting“ nimmt Fahrt auf

In diesem Jahr werden einige Beschäftigte nicht nur ihre aktuellen Jobs aufgeben, sondern möglicherweise auch auf den Trendzug „Job Crafting“ aufspringen. Schon im Jahr 2001 prägte die Yale-Professorin und Psychologin Amy Wrzesnieswki sowie die Wissenschaftlerin Jane E. Dutton den Begriff.

Hierbei geht es um die aktive Mitgestaltung der eigenen Arbeit, die an Persönlichkeit und Stärken angepasst wird und darum, mehr Spaß und Freude bei der täglichen Arbeit zu empfinden. Die aktive Suche nach neuen Aufgabenbereichen, Kollegen nach direktem Feedback fragen und die Erweiterung der eigenen Skills sind mögliche Wege, Job Crafting zu betreiben.

Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber profitieren davon: Produktivität, Spaß bei der Arbeit und die Reduzierung des Burnout-Risikos sind immense Vorteile.

3 Gründe, warum es sich lohnt, den Job aufzugeben

Auch der Personaldienstleister Robert Half hat sich mit der Wechselbereitschaft von Arbeitnehmern befasst. Die Untersuchungsergebnisse des Unternehmens zeigen einige spezifische Gründe auf, die verdeutlichen, weshalb Beschäftigte am ehesten bereit wären, ihren aktuellen Arbeitgeber und das Unternehmen zu verlassen. An der Studie haben rund 2.500 US-Beschäftigte teilgenommen. Die Resultate überraschen nur wenig und stimmen mit den Ergebnissen anderer aktueller Studien überein, die beispielsweise auch „Geld“ als den Nr. 1 Grund für einen Jobwechsel oder eine Kündigung nennen.

Laut Robert Half sind das die wichtigsten Gründe:

Platz 1: Höheres Einkommen – Mehr Geld (61 Prozent)

Die meisten Beschäftigten, die ihre aktuelle Stelle aufgeben würden, wünschen sich ein höheres Gehalt. Nicht nur die Inflation führt zu gestiegenen Lebenshaltungskosten und Sorgen um die Existenz. Sondern auch die Ungewissheit in Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung der Länder. Zudem zeigen vor allem jüngere Menschen in den letzten Jahren, dass sie für einen fairen Lohn und bessere Arbeitsbedingungen kämpfen.

Platz 2: Mehr Benefits für Mitarbeiter (37 Prozent)

Ob Kita-Zuschuss, Sabbatical oder Food-Gutscheine: Mitarbeiter, die sich mehr Jobvorteile wünschen, werden bereitwillig ihren Arbeitgeber wechseln. Damit versprechen sich Beschäftigte vor allem Benefits neben der üblichen Lohn- oder Gehaltszahlung.

Platz 3: Mehr Flexibilität (36 Prozent)

Flexibilität ist zu einem Kernelement moderner Unternehmen geworden. Wer Arbeitnehmern nur wenig Raum gibt, eigene Entscheidungen zu treffen und Ideen einzubringen, zwischen Büroarbeit und Remote Work zu wählen oder flexibler arbeiten zu können, darf sich über die Wechselbereitschaft nicht wundern.

Hohe Fluktuation: Knapp 50 Prozent wollen kündigen

Gleichzeitig weist die Studie der US-Personaldienstleisters darauf hin, dass fast die Hälfte der Beschäftigten in den kommenden Monaten ihren Job kündigen wollen oder zumindest darüber nachdenken, eine neue Arbeitsstelle zu suchen. Das Muster der Wechselbereitschaft lässt sich auch auf deutsche Arbeitnehmer übertragen – denn die Pandemie hat weltweit zu ähnlichen Bewegungen geführt.

Um wichtige Fachkräfte langfristig halten zu können und Personal an das Unternehmen zu binden, müssen Arbeitgeber sich mit den Gründen für die Wechselbereitschaft beschäftigen. Doch mit Geld allein ist es längst noch nicht getan.

Prognose: Mitarbeiter brauchen Perspektiven und eine positive Führungskultur

Was ist also wichtig? Neben einem guten und  fairen Gehalt, Flexibilität und Benefits, geht es oft um den Umgang mit Mitarbeitern. Wertschätzung, eine gesunde Feedbackkultur, Mitspracherecht und eine gute Work-Life-Balance – das sind von vielen Beschäftigten oft genannte Punkte, die einen Arbeitgeber attraktiv für sie machen. Zudem geht es um Sinn und Werte: Welchen Zweck verfolgt ein Unternehmen? Wofür steht es?

Ein Grund, den jetzigen Job aufzugeben, ist auch die fehlende Möglichkeit, sich beruflich und karrieretechnisch weiterzuentwickeln. Denn Stillstand führt bekanntlich dazu, dass Arbeitnehmer wenig Zukunftsperspektiven und keine Aufstiegsmöglichkeiten sehen – und so in ihrer derzeitigen Position versauern. Das macht auf Dauer unzufrieden und mürbe.

Zudem wird das Thema Führungskultur in den kommenden Jahren immer wichtiger. Die aktuellen Trends zeigen klar auf, dass Gen Z und Millennials sich faire Chefs und Chefinnen wünschen, die bereit sind, offen, kommunikativ und empathisch ihre Mitarbeiter zu führen.

Autor ARBEITS-ABC REDAKTION

Text:  ARBEITS-ABC REDAKTION

Quelle Titelbild: Bild von Gerd Altmann auf Pixabay